Wie ich schon einmal auf der Webseite schrieb: einiges im Leben wird durch Zufall bedingt, so war es auch bei meiner zwanziger Jahre Serie. Die Idee dafür hatte ich schon seit Beginn meines Hobbies, allerdings fehlte dazu: ein Fotostudio, ein passendes Model, jemand der entsprechend die Kleidung hat und auch das Styling machen kann.
Dieser jemand kam per Zufall über meine Webseite. Es war eine junge Frau, die auch Maskenbildnerin am Theater werden wollte. Dies paßte natürlich sofort und wir machten einen ersten Gesprächstermin aus. So bekam ich auch zu hören, dass sie durchaus am Theater Sachen ausleihen kann...also Termin für ein Shooting ausgemacht.
Natürlich war es auch nicht leicht ein Mietstudio zu finden, ein passendes mit eventl. ein wenig Deko noch dazu war natürlich zu viel erwartet, eigentlich. Ich fand mich schon damit ab gegebenenfalls selbst etwas zu basteln bzw. zu besorgen aber wieder hatte ich Glück. Ganz in der Nähe fand ich ein Mietstudio welches auch entsprechende Deko hatte (Kinostühle, Munitionskiste etc.) leider gibt es das Studio heute nicht mehr :-(
Wie dem auch sei: Studio war da, Visagistin hatte ich und Model war auch gefunden. Somit war alles vorbereitet. Zunächst recherchierte ich im Internet und kam auch irgendwie fälschlicherweise auf den Gedanken: ein Foto aus der Zeit muß einen gelblichen Stich haben. Vielleicht hatte ich an dieser Stelle zu wenig nachgeforscht, heute weiß ich es eben besser. Wie dem auch sei, ich lud mir Bilder herunter, zeigte diese der Visagistin so dass sie streng nach diesen die Haare etc. machen konnte.
So kam es also zum Shooting...am Shootingtag war ich natürlich auch aufgeregt und vor mir stand eine perfekt nach den Fotos umgestylte Frau, mit Wasserwelle in den Haaren. Nun gab es ein erneutes Problem: Fotos sind statisch, also mußte ich mit meinen praktisch 0 Erfahrung auch versuchen das Model auf Situationen einzustellen, wie beispielsweise das Kino. Hinzu kommt: es mußte vom statischen Foto umgedacht werden entsprechend, dass das Foto eben nicht so statisch ist. Dies darzustellen gelang nur mit Serienaufnahmen, sprich fast immer Auslöseknopf der Kamera gedrückt halten und schön knipsen knipsen knipsen.
Aber das war das geringste Problem: ich war erst zum zweiten mal in einem richtigen Fotostudio, hatte quasi null Ahnung von der Technik, von der Lichtführung etc. somit mußte ich während des Shootings selbst ziemlich experimentieren und ausprobieren, kein Wunder also, dass das Shooting länger als erwartet dauerte denn ich wollte das Styling auf keinen Fall ungenutzt lassen.
Im Nachhinein stellte sich dann heraus das ich meinen Bildschirm an der Kamera zu hell eingestellt hatte und ich die Bilder eigentlich heller in der Vorschau sah, als sie waren. Das sah ich dann als ich die Bilder am Computer daheim bearbeitete.
Somit wurde aus diesen Bilder dann auch irgendwo EBV(elektronische Bildverarbeitung)- "Wunderwerke", ich mußte die Helligkeit erhöhen, damit den Kontrast verändern und und und. Somit hatte ich im Nachhinein dann auch etwas mehr Arbeit, aber sie lohnte sich.
Aber noch ein Problem tat sich auf...an einigen Stellen waren die Bilder viel zu dunkel, da ließ sich auch mit EBV nicht mehr viel machen.
Aber nicht nur Bilder die zu dunkel waren gab es, sondern gerade auch in der Anfangszeit hatte ich massive Probleme mit dem Bildschnitt. Stellenweise war unten zu viel Platz, bei anderen Fotos war unten so weit alles in Ordnung, aber über den Kopf des Models gab es zu viel Rand und und und.
Man sieht also gerade in der Anfangszeit hatte ich mehr mit Problemen zu kämpfen als mich an tollen Fotos zu erfreuen, somit wuchs die Nachbearbeitungszeit erheblich an. Verzweifelt suchte ich auch Rat in Foren, aber all das brachte nicht viel, also hieß es üben üben üben und das erst einmal an anderen Bildern und an vielen weiteren Shootings.
Natürlich erntete ich auch viel Kritik, damit umzugehen muß man auch erst einmal lernen, denn von nun an saß man da und andere Leute sahen die eigenen Werke, die Fotos in die man viel investierte. Durch die Kritik wurde man bzw. ich an dieser Stelle natürlich etwas hart mit der Wahrheit konfrontiert, aber es gab auch Stimmen die sagten: mach weiter.
Tja so kam es, dass ich nach vielen anderen Shootings einen erneuten Anlauf wagte. In der Zwischenzeit lernte mein damaliges Model, die gleichzeitig meine Visagistin war, am Theater somit gab es die Gelegenheit auch das Make-Up zu verfeinern und dazu muß ich sagen: es war einfach nur grandios.
Das Model schrieb ich auch wiederum an, weil ich langsam vielleicht auch irgendwie einen Blick dafür bekam. Rachele hatte sofort Interesse, dafür auch noch mal ein großes Dankeschön.
Als das Shooting begann, ich auf das Model blickte (Rachele) war ich aufgeregt wie ein kleiner Junge...die Technik, die Blitzanlage alles wurde schon vor dem Shooting eine halbe Stunde lang probiert, ausgerichtet und und und.
Dieses mal war auch mein Laptop mit dabei, so hatte ich auch die Möglichkeit die Fotos auf dem Computer anzusehen und gegebenenfalls das Licht zu korrigieren (übrigens vergingen 2 Jahre bis ich mich wieder an ein 20er Jahre Shooting wagte). Die Bilder waren super, das Model paßte hervorragend in die Zeit (sicher wird es jetzt wieder Kritiker geben, die sagen stimmt nicht, aber die gibt es immer), das Make-Up war auch ein echter Hingucker und technisch gesehen hatte ich mich in den 2 Jahren auch etwas verbessert.
Dann gab es das Thema der Bildverarbeitung. Gerade in den 20er Jahren waren die Fotos von der Farbe her sehr unterschiedlich, ja ich hatte nun doch mehr Zeit in die Recherche investiert. So pickte ich mir das ein oder andere Foto heraus, richtete mich danach und stellte fest: schwarz-weiß waren sie nicht ganz, es war eher so ein warmer Braunton mitunter in den Fotos.
Natürlich wollte ich auch Risse etc. mit einbauen, hier mußte ich aber besonders vorsichtig sein...denn die Fotos von damals hatten auch weniger Kontrast, waren nicht so scharf sondern auch stellenweise sehr verschwommen und matschig (wohlgemerkt tat sich diese Ansicht auf, als ich mehere Fotos aus der damaligen Zeit betrachtete aber nicht alle waren so!).
Nun mußte ich mehrere Filter anwenden und heraus kamen stellenweise Bilder die in der Bearbeitung einzigartig waren als auch vom Stil her. Sicher gab es auch hier wieder viele Kritiker, die an der Kleidung kritisierten und sagten sie sind nicht Original, die Bildbearbeitung bemängelten und und und.
Noch etwas aber kam bei den Shootings nun hinzu: Regieanweisungen. Ja so witzig und blöde es sich anhören mag, überlegte ich mir auf einem Blatt Papier die genauen Situationen, wie kann man auch die Nachkriegszeit mit einbauen etc. all das landete auf dem Papier, dies spart im übrigen auch Zeit bei den Shootings ;-)
Zum Schluß und damit auch zu den zahlreichen Kritikern: es steckt in jedem Werk, auch in jedem Foto, ein Stück weit eigener Künstler mit drin, hauptsache ist man läßt sich von seinem Weg nicht abbringen und nimmt Kritiken auf und unterscheidet welche wichtig sind, welcher eher nicht.
Ich lasse Euch nun auf den Rest der Seite allein, schaut einfach nur Bilder an ;-)
P.S.: ob es jemals wieder eine solche Serie von mir geben wird weiß ich nicht, denn ich für mich persönlich habe mein gesetztes Ziel zumindest mit den 20er Jahre Fotos erreicht.
P.P.S.: Beim Klick auf die Bilder, werden diese in einem neuen Fenster vergrößert geöffnet.
Manuel Tennert